Kapitalstrafrecht - Strafverteidigung Landsberg am Lech

Kapitalstrafrecht

Der Begriff “Kapitalstrafrecht” hat mit “Kapital”, also mit Geld, nichts zu tun. Und er wird auch nicht im Gesetz verwendet. “Kapitalstrafrecht” oder “Kapitalverbrechen” sind umgangssprachliche Begriffe, die sich auf besonders schwere, gegen das menschliche Leben gerichtete, Straftaten beziehen. Dazu gehören u.a.:

  • Mord (§ 211 StGB)
  • Totschlag (§ 212 StGB)
  • Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB)
  • Raub mit Todesfolge (§ 251 StGB)
  • Räuberischer Diebstahl mit Todesfolge (§ 252 StGB)
  • Räuberische Erpressung mit Todesfolge (§ 255 StGB).

Aus verschiedenen Gründen gehört die Verteidigung in Kapitalstrafsachen zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Strafverteidigung. Denn bei den o.a. Delikten stehen regelmäßig hohe Haftstrafen bis hin zur lebenslangen Freiheitsstrafe im Raum. Anders, als bei weniger schwerwiegenden Straftaten, sind derartige Verfahren auch häufig Gegenstand der Berichterstattung in den Medien.

Und oft handelt es sich um besonders umfangreiche Verfahren, die Kenntnisse zu rechtsmedizinischen, psychiatrischen und psychologische Problemkreisen erfordern.

Außerdem ist bei Tötungsdelikten die Anordnung von Untersuchungshaft der Regelfall. Denn gem. § 112 Abs. 3 StPO ist bei derartigen Delikten der sonst erforderliche Haftgrund der Flucht- oder Verdunklungsgefahr nicht erforderlich.


Verteidigung bei Tötungsdelikten


Zwar gilt das für alle Strafverfahren, aber insbesondere im Kapitalstrafrecht ist es sehr wichtig, dass bereits im Ermittlungsverfahren eine Verteidigungsstrategie erarbeitet wird. Das setzt nicht nur die frühzeitige Beauftragung eines Verteidigers, sondern auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Mandant und Verteidiger voraus.

Und gerade bei Kapitalstrafsachen ist es außerordentlich wichtig, dass sich der/die Beschuldigte – ohne anwaltlichen Rat – nicht zur Sache äußert. Das gilt nicht nur für Vernehmungen durch die Polizei, Staatsanwaltschaft oder den Ermittlungsrichter. Sondern auch in beiläufigen Gesprächen (auf dem Gang vor dem Vernehmungszimmer oder mit einem Mitgefangenen in der Zelle) sollte der Beschuldigte keine Angaben zum Sachverhalt machen.

Denn eine Stellungnahme kann auch später abgegeben werden. Allerdings sollte diese frühestens erfolgen, wenn der Verteidiger Akteneinsicht in die gesamte Ermittlungsakte erhalten hat.

Wie ein Sachverhalt rechtlich zu beurteilen ist, ergibt sich gerade im Kapitalstrafrecht oft erst im Laufe des Verfahrens. Denn die Grenzen zwischen der Beurteilung als versuchter Mord, versuchter Totschlag oder gefährliche Körperverletzung können fließend sein. Und der Unterschied beim Strafmaß ist bei diesen Delikten erheblich.

Anders, als in den meisten anderen Strafverfahren, gibt es in Kapitalstrafverfahren auch etliche Sachverständigengutachten. Daher muss der Verteidiger über zusätzliche Kenntnisse in den relevanten Bereichen – z.B. Psychi­a­trie, Psycho­lo­gie, Rechts­me­dizin oder Krimi­na­listik – verfügen.

Dabei gibt es oft vielfältige Ansatzpunkte für eine Verteidigungsstrategie. Jedoch ist die Verteidigung im Kapitalstrafrecht derart komplex, dass allgemeine Ausführungen nur schwer möglich sind.


Kapitalstrafrecht – Schwurgericht als erste Instanz


In Kapitalstrafsachen gegen Erwachsene ist erstinstanzlich das Schwurgericht zuständig. D.h.: Es gibt insgesamt nur zwei Instanzen. Strafverteidiger kritisieren seit Jahrzehnten (erfolglos), dass gerade bei besonders schweren Straftaten der normalerweise dreistufige Instanzenweg auf zwei Instanzen beschränkt ist.

Vielfach ist die Berichterstattung der Medien vor und im Verfahren von besonderer Bedeutung. Daher hat der Verteidiger hier eine weitere Aufgabe. Medienberichte konzentrieren sich nicht selten auf besonders medienwirksame Gesichtspunkte. Dazu gehören ggf. auch Schlussfolgerungen aus dem bekannten Tatablauf, die nicht immer vom Ermittlungsergebnis gedeckt sind. Deshalb muss der Verteidiger in diesen Fällen sein besonderes Augenmerk darauf richten, dass die Details, die in den Medien falsch berichtet wurden, immer wieder zur Sprache kommen und richtig gestellt werden.

Wenn Sie Beratung oder Vertretung in einer Kapitalstrafsache benötigen, können Sie gern